Chasselas: Die ganze Magie alter Jahrgänge

Tuesday 14 Dec 2021 Article

Es ist noch nicht lange her, da war man der Meinung, dass Waadtländer Weissweine gut „zu Früchten“ passen würden. Wenn der Wein der letztjährigen Ernte gerade abgefüllt ist, zeigt sich der Chasselas leicht, fruchtig, schmackhaft ... Kurz gesagt: Er hat alles, um dem Gaumen zu schmeicheln. Der Chasselas aus dem Anbaugebiet Dézaley verlangt, dass man sich Zeit nimmt, wie auch der Chasselas aus La Venoge de Gilles – er benötigt ein Jahr Ruhepause nach der Abfüllung, bis er seinen gesamten Reichtum entfalten kann.

Die Alterung des Chasselas bringt häufig überraschende – positive –Transformationen hervor, gleichzeitig sorgen diese Transformationen auch für Enthüllungen, die man nicht erwartet hatte. Sicher, nicht in jedem Jahr entsteht ein Weinjahrgang, dessen Lagerung sich lohnt. Man sagt, es sind 6 Jahrgänge pro Jahrhundert, etwas mehr, seitdem der Klimawandel für eine schnellere Reifung der Trauben, einen höheren Zuckergehalt und eine grössere Aromen-Vielfalt sorgt.

Im letzten Jahrhundert waren es in erster Linie die Jahrgänge 1934, 1945, 1947, 1959, 1971 und 1990, die den Winzern und Einkellerern als grossartige Weinjahre in Erinnerung geblieben sind, wobei es während dieser 100 Jahre natürlich auch schlechte Weinjahre gab. Seit dem Eintritt in das dritte Jahrtausend versprechen die Jahrgänge 2000 (herausragend), 2003, 2009, 2015 und 2018 eine Qualitätsverbesserung durch die Lagerung. Der Hauptgrund hierfür: Die meteorologischen und klimatischen Bedingungen waren insgesamt besser und günstiger als im vergangenen Jahrhundert.

Der 2000er Jahrgang hat sich während eines trockenen, aber durchaus grosszügigen Jahres entwickelt. Der in einem Hitzesommer gereifte 2003er Jahrgang wies wenig Säure auf, sodass bei der Arbeit im Weinkeller in jeder Phase grösste Aufmerksamkeit erforderlich war. Der 2015er, der durch die Konzentration in den aufgrund des Wassermangels kleineren Trauben herausragend war, könnte die legendären Jahrgänge 1945 und 1947 übertreffen – auch wenn er aktuell wenig ausdrucksstark ist.

Und das ist vielleicht die Magie der älteren Jahrgänge. 5 und 6 Jahre nach ihrer Abfüllung nahezu interessant, können sie im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Aromen hinzugewinnen: von der Brioche bis hin zu kandierten Früchten – insbesondere Ananas wie beim 2003er, 1999er und 1990er –, von blumigen Noten bis hin zu Aromen von sehr reifen Früchten. Und sie können sogar eine ganz neue, leicht bittere Note aufweisen, die an Mandel-, Haselnuss- oder Champignon-Aromen erinnert. Im Rahmen dieser umfassenden Transformationen entwickeln diese Weine eine stärkere Farbe, im Allgemeinen goldgelb oder leicht bernsteinfarben.

Die Rückkehr des Chasselas in die Gastronomie hat bereits begonnen und die alten Jahrgänge haben ihren Anteil daran. Die Kombinationen von einem alten Dézaley, Vinzel oder Yvorne, mit einem L’Etivaz, einem Vacherin Mont-d’Or, mit Fischen aus dem See, einer Saucisson Vaudois oder einem Gruyère d’Alpage wird auch den Gaumen der anspruchsvollsten Gourmets überraschen. Deshalb werden diese Weine von einigen Weingütern wie Frères Dubois aus Cully oder den Caves Schenk in Rolle und anderen Vereinigungen wie der Baronnie du Dézaley sowie einigen fachkundigen Gastronomen angeboten.

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